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Telekom bespitzelt Aufsichtsräte, Manager & Journalisten

Mai 24, 2008

Es scheint in Mode zu kommen, dass Firmen ihre eigenen Mitarbeiter, Funktionsträger und jetzt auch Journalisten bespitzeln. LIDL hat es vorgemacht und die eigenen Mitarbeiter mit Kameras überwacht und Detektive auf sie angesetzt. Auch bei anderen Discountern wie Aldi, Penny, Plus, Netto und Norma und selbst bei anspruchsvolleren Märkten wie Rewe, Edeka, Tegut, Hagebau oder Famila soll es laut „Stern“ Bespitzelungen gegeben haben. Zuletzt wurde dann auch bekannt, dass Burger King mächtig Dreck am Stecken hat. Das Unternehmen musste einräumen, dass die Gründungsversammlung eines Betriebsrats am 21. April in einer Münchner Restaurantfiliale aufgezeichnet wurde.

Nun bei der Telekom… Um undichte Stellen im Vorstand und Aufsichtsrat aufzuspüren, wurden offenbar über ein Jahr lang Telefonverbindungsdaten von Managern und Aufsichtsräten gesammelt und überprüft. Auswerten sollte diese dann eine Berliner Beratungsfirma und die Telefonnummern dann mit denen von Journalisten abgleichen.

Mittlerweile ist auch bekannt, dass ein Maulwurf bei einem wichtigen Wirtschaftsjournalisten eingeschleust worden sein soll, der der Konzernsicherheit über mehrere Monate direkt berichtet haben soll. Weitere Spähattacken seien „konkret geplant und beauftragt“ gewesen, unter anderem „die Überwachung eines ihrer Anteilseigner mit Hauptsitz in New York“. Bisweilen sollen vor Vorstandssitzungen gezielt fehlerhafte Dokumente in Umlauf gebracht worden sein um feststellen zu können welche Informationen bei welchen Presseorganen ankommen.

Kürzlich kam es zu internen Ermittlungen bei der Telekom, nachdem ein Fax in der Firma aufgetaucht ist. Darin heißt es: „Ziel der Spähoperationen „Clipper“, „Rheingold“ und einiger anderer „Nebenprojekte“ sei die „Auswertung mehrerer hunderttausend Festnetz- und Mobilfunk-Verbindungsdatensätze der wichtigsten über die Telekom berichtenden deutschen Journalisten und deren private Kontaktpersonen“ gewesen. René Obermann, Vorstandsvorsitzender der Telekom, beschloss nach ersten Plausibilitätsprüfungen alle brisanten Daten und Anschuldigungen, die alle vor seinem Amtsantritt lagen, der Bonner Staatsanwaltschaft zu übergeben. Die prüft inzwischen die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens.

Kai-Uwe Ricke, Vorgänger von Obermann und in jener Zeit verantwortlicher Vorstandsvorsitzender wird wie folgt zitiert: „Ich habe niemals illegale Aufträge erteilt und erst recht zu keinem Zeitpunkt angeordnet, Telefonverbindungsdaten auszuspähen„… Das klingt nach „Niemand beabsichtigt eine Mauer zu bauen“ (Walter Ulbricht)

Ich frage mich wo die Moral bleibt. Wenn einem etwas nicht passt, dann spionier ich ihm einfach hinterher und nutze meine Macht über das Telekommunikationsnetz schamlos aus. Oder höre Treffen zur Wahl eines Betriebsrats ab, welche durch das Betriebsverfassungsgesetz eindeutig zugesprochene Rechte jedes Arbeitnehmers sind. Allmählich nehmen die Auswüchse der Dreistheit Ausmaße an, die viel mehr Empörung hervorrufen müssten, als Schäubles Terror-Angstmache oder die Frage der/s künftigen Bundespräsidenten.

Informelle Quelle: spiegel.de

Bildquelle1: welt.de

Bildquelle2: magazin-mdw.de

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4 Kommentare

  1. Quelle für die Telekom-Sache?


  2. ups sorry, hab ich in meiner Wut vergessen 😉
    spiegel.de


  3. […] entziehn. Aber widerwertiges Verhalten sind wir in den letzten Wochen ja gewohnt (BurgerKing, Telekom, Bahn, Lidl, …) Ich würd sagen: “real.- besorgs dir doch […]


  4. […] Zeiten, in denen man nichteinmal mehr seiner eigenen Firma, der so genannten Familie, vertrauen kann sollen jetzt Daten noch länger gespeichert werden. Ein […]



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