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Nazi-Seiten boomen

Juni 7, 2008

Eine aktuelle Untersuchung zeigt: Deutschsprachige Neonazis breiten sich im Internet immer stärker aus. Neben dem Aufbau eigener Websites infiltrieren sie auch beliebte Community- Portale und plazieren Videos auf Youtube.


Rechtsextreme, deutschsprachige Propaganda ist im Internet so häufig zu finden wie nie zuvor. Eine Arbeitsgruppe der Bundesländer dokumentierte im vergangenen Jahr 1635 rechtsextreme Websites und mehr als 750 rechtsextreme Videos und Profile auf interaktiven Web-2.0- Plattformen wie Youtube oder SchülerVZ.

Das war so viel rechtsextremes Material wie noch nie seit Beginn der Beobachtungen im Jahr 2000, sagte der Leiter des Teams jugendschutz.net, Stefan Glaser, am Freitag in Berlin. Jugendschutz.net ist eine länderübergreifende Einrichtung der Bundesländer für den Jugendschutz, die von Mainz aus gegen rechtsextreme Propaganda im Internet vorgeht.

Mehr Seiten von Kameradschaften und der NPD

Der Zuwachs an rechtsextremem Material im Internet geht zu einem großen Teil auf die Szene sogenannter Neonazi-Kameradschaften und die NPD zurück. Für die Kameradschaften (299 Websites) und die NPD (191 Websites) verzeichnete jugendschutz.net 2007 einen Seiten-Zuwachs von mehr als 30 Prozent.

Zudem nutzen immer mehr rechtsextreme Versandhändler das Internet zum Vertrieb von Szene-Artikeln. Das Mainzer Team dokumentierte insgesamt 166 Verkaufsplattformen. Auch bei Kindern und Jugendlichen beliebte Portale wie Youtube, SchülerVZ oder MySpace werden demnach anhaltend von Neonazis missbraucht.

Allerdings sind die Rechtsextremen auch vorsichtiger geworden. So fanden sich 2006 noch bei 22 Prozent der überprüften Angebote Strafbares wie beispielsweise volksverhetzende Aussagen. 2007 waren es mit 16 Prozent deutlich weniger.

Zusammenarbeit mit Providern verbessert

In vier von fünf Fällen, in denen jugendschutz.net Strafbares wie etwa Musik der verbotenen Band «Landser» oder Nazi- Symbole beanstandeten, löschten die Provider im In- und Ausland die Videos. Mit der Videoplattform Youtube gibt es mittlerweile eine tragfähige Vereinbarung zur «Entnazifizierung». Seither seien mehr als 90 Prozent aller beanstandeten Videos entfernt worden, so Glaser. «Auch SchülerVZ nimmt beanstandetes Material in der Regel sehr zeitnah aus dem Netz».

Glaser reicht dies als Erfolg nicht aus. Er appellierte an die Provider, mehr zu tun, um rechtsextreme Hetze aus dem Internet zu verbannen. Vor allem müsse durch technische Vorkehrungen verhindert werden, dass gelöschte Videos erneut hochgeladen werden. (nz/dpa)

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Quelle: http://www.netzeitung.de/internet/1044177.html

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