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Aus dem Tagebuch eines Trinkers

Juni 29, 2008

Januar

28. Januar: Schlafstörungen, Kopfkissen in Wodka getränkt. Lautes nächtliches Pfeifen läßt sich nicht lokalisieren. Gegen Morgen Heizkörper abgeschraubt, keine Änderung. In der Nacht wieder Angst, vor dem Fenster Aborigines auf Traumtröten blasen.

31. Januar: Unverändert Schlafstörungen. Gläschen zählen erfolglos. Fläschchen Baldriantiktur (68%) ex. Hätte sicher Schlaf gefunden, wenn sich die Nachbarskatze nicht schreiend auf meinem Gesicht gewälzt hätte. Haende gerungen. Schwedenbitter, Harndrang.

Februar

12. Februar: Früh zu Bett, um Mitternacht wegen Schlaflosigkeit wieder aufgestanden. Unter Zuhilfenahme aller Finger mindestens bis fünfzehn gezählt, dabei manches Mal die Augen verdreht und den Mund verzogen. Nachbarkeller aufgebrochen, getrunken.

14. Februar: Teures Mittel gegen Magnesiummangel gekauft. Viel von Parallel-Universen gelesen, versucht hinzugelangen, häßlicher Sturz. Noch am Boden liegend Wunder erlebt! Verstorbener Großvater erschien, um mir Scharlachbergflasche hinzustellen. Grosse Hilfe.

20. Februar: Ich warf alles nach jedem. Ruhe erlangt durch Insel-Samos.

27. Februar: Wegen Henriette in der „Schimpansenbar“. Verbrüderungsszenen im Keller, Whisky aus Schuhen, zuletzt wieder so eine dreiste Person rittlings auf mir. Nach heimischer Badewanne gesehnt (Eierlikör-Oberkörpereinreibung), später des Nachts urethrale Schikanen.

März

1. März: Perfekter Tag. Spät abends habe ich mir dann noch ein Käsebrot geschmiert und mich draufgesetzt. Viel Wein.

10. März: Obsession beschlossen: ins Treppenhaus schleichen und das entblößte Gesäß an die Wohnungstür gegenüber drücken. Der vergilbte Lack muß angenehm kühl sein. Wann werde ich es zum erstenmal tun?

11. März: Obsession ist Scheiße. Anläßlich eiliger Flucht vor Nachbarin vom eigenen Schlafrock zu Fall gebracht. Liegengeblieben, totgestellt. Tiefe Scham, später massives Trinken.

19. März: Nachgedacht über Worte eines Freundes: „Die Sonne müßte Nachts scheinen, am Tage ist es doch sowieso hell.“. Wieder geweint. Rum.

April

4. April: Allein im Haus. Vorsichtig Bällchen in alle Zimmer geworfen. Keine Reaktion. – Hastig getrunken, übergeben (5x).

9. April: Zwecks Betrachtung des Sonnenunterganges Rangierbahnhof aufgesucht. Allergrößtes Mitleid für zwei alte D-Zugwagen auf dem Abstellgleis empfunden. Ihr Anblick ließ mich aufschluchzen und unter konvulsivischen Zuckungen Liter von Tränen vergießen. Erst lange nachdem man mich in eine Nachtbar fortgeschafft hatte und mir unter stetigem Einschenken gut zuredete, konnte ich nach und nach zur Ruhe kommen.

15. April: Wieder „Schimpansenbar“. Auf der Heimfahrt vom Taxifahrer Nottaufe erhalten. Lange gemeinsam Mond betrachtet und Geld gezählt.

27. April: Haydn gehört, Flaschen leergetrunken.

30. April: In den „Tag der Arbeit“ hineingefeiert. Sehr viel getrunken.

Mai

1. Mai: Unwohlen Gefühl im Magen. Trotzdem mit auf 1.-Mai-Tour. Dabei wegen Fehlschluck ins Industriegebiet gekotzt. Abends unsicherer Heimweg.

2. Mai: Gestern im Ärztehaus. Drei Stunden in der falschen Arztpraxis gewartet, dann versehentlich Termine beiHeilgymnastin besorgt. Panik im Treppenhaus verursacht, Hausverbot in der Apotheke. Schändlich besoffen, beidseitiges Trommelfellflattern.

8. Mai: Letzten Abend mit zwei Flaschen Chianti im Opernhaus, „Orpheus und Eurydike“, sehr geschimpft. Nichts ist so ekelhaft wie Knabensopran, darüber hinaus vehement bemängelt, daß Orpheus von einer Frau (Zarah Leander?) gesungen wird. Jede Kontrolle verloren, hinausgetragen worden. Überfallkommando, sehr verstimmt, Gaderobenfrau wollte mich mit ihrer missratenen Tochter verkuppeln.

10. Mai: Im Kino wieder zwei Finger abgestorben. Im Foyer Hans und Rose getroffen, die sich als Junge und Mädchen verkleidet hatten. Unguter Auftritt in der Bar, Notarztwagen.

14. Mai: Mit Henriette weißen Rheinwein probiert. In Karohemden stundenlang an der Decke gekniet. Immer gesagt: „Aufpassen, daß sich nichts verschiebt.“ (Ebenen!). Gegen Morgen heftige Oenomanie. In der Notaufnahme Akten vernichtet.

29. Mai: Gedicht geschrieben: „Managerschulung – ritsch ratsch reisele, geht die Welt im Kreisele“; Rotwein, in der Badewanne eingeschlafen, Prostataentzündung.

Juni

2. Juni: Viel Gin auf Anraten Hansens, Wasserlassen klappt besser.

9. Juni: Der Arzt macht mir Hoffnung; ich höre, wie die Urologen lachen. Heute zum ersten Mal versehentlich Wein in die Pfeife geschüttet.

12. Juni: Es wird behauptet, ich hätte letzte Nacht versucht, im Schlafanzug den Straßenverkehr auf der Kreuzung zuregeln. Mißtrauen, unsicher und verkrampft getrunken.

18. Juni: Nervengeschichten … fremde Bohnen (sic!) sahen mich aus dem Spiegel an – unbedingt Abstinenz üben!

21. Juni: Für diesen Satz hätte ich Karl May geliebt: “ Winnetou starb, ließ sich jedoch nichts anmerken.“ Etwas geweint, Brandy durch Strohhalm.

30. Juni: Reimepos erwogen. Anfangs Lob der Frau, dann müßte Schilderung der Begegnung mit einem Nilpferd folgen oder Himmelfahrtswitz. Schlußformel könnte sein: „Und ein nackter Mann stand tumb dabei.“ In der Küche vergeblich nach Cherry-Rest gesucht, daher „Schimpansenbar“. Halmasteinchen gekotzt, Personalausweis verkauft.

Juli

2. Juli: Stimme aus der Steckdose gehört. Werde ich wahnsinnig? Wein, Wein.

11. Juli: Seit heute zwei Stimmen. Eine sagt „Puppenhuhn“, die andere „Paradieswurst“. Trotziges Trinken, aber doch Furcht.

12. Juli: Wenn ich J.S. Bach wäre, würde ich folgenden Satz vertonen (Kantate): „Ich bleibe oft lange auf, trinke viel und schäme mich für alle“; elterliche Hausbar vorgeknöpft, wieder Notarzt.

17. Juli: Nachmittags weinender Mann vor der Haustür. Wehe, wehe, ich war es selbst. Strenger Cocktail, schließlich wieder Mut. Ab 20 Uhr wieder gewissenhaft getrunken. Wohin sind die Tage, wo Wasserlassen eine Selbstverständlichkeit war?

18. Juli: Gegen Abend in völlig fremden Kleidern aufgewacht. Starker Wunsch, etwas über Hamster zu schreiben. Persiko-Trinkkur begonnen.

29. Juli: Unleserliche Flammenschrift am Himmel; schon wieder diese Bolzen im Teppich. Eierlikör.

31. Juli: Das Geräusch aneinanderklirrender Weinflaschen lockte mich gestern Abend in den Nachbargarten. Zunächst geduldet, trank ich allen süßen Wein. So wie ich aber anfing, den Nachbarn von Schrödingers Katze und den Wundern der Quantenwelt zu berichten (wobei ich bedauerlicherweise bis zum Ellenbogen im Dekolltee der Tochter des Hauses stecken blieb), warfen sie mich über die Hecke. Mildtätige Zwerge fanden mich und pflegten mich in ihrer Höhle gesund.

August

1. August: Geträumt: nach 37 Jahren erstmals wieder aus dem Fenster geschaut. Die Landschaft hatte sich stark verändert, der Fluß trug sogar Koteletten.

5. August: Mit Person, an die ich mich nicht erinnern kann (Henriette?, Hans?) irgendwie über Land gegangen. Wir liefen bergab durch Gärten hindurch. Oder dran vorbei. Wir legten uns nach reiflichen Überlegungen an den Straßenrand und versuchten zu sterben. Auf den Tod wartend schauten wir in die Luft. Die Fliegen flogen verkehrt herum und sahen aus wie große Damen. Auf dem Heimweg Glossolalie: indogermanische Trinklieder mit leicht schlüpfrigen Kehrreimen. Champagner!

23. August: Heute den vierten Tag bei herabgelassenen Jalousien und Kunstlicht in der Wohnung, meist im Bett. Hatte mir große Inspiration von solcher Lebensweise versprochen (etwa wie H.P. Lovecraft), bis jetzt aber nur mit Voodoo-Puppen herumgefudelt. Rechter Hausschuh ins Klo gefallen. Danziger Goldwasser bis zum Erbrechen.

September

4. September: Seit Wochen nur über moderne Physik und das Bermudadreieck gelesen. Spüre, wie mein Leben wieder einen Halt bekommt. Im Kaufhof haben sie neue Rolltreppen. Leberwerte verheerend. Am leicht geöffneten Fenster verbrachte ich im Clubsessel sitzend eine der glücklichsten Zeitspannen meines Lebens.

6. September: Brief vom Wiener Verleger. Muß echt sein, Henriette sieht ihn auch. Einladung zur Lesung. Große Angst vor weiter Reise, „Mut angetrunken“, Rasierapparat und einzig gute Hose ruiniert.

12. September: Eine Woche lang mit Henriette verreist gewesen. Nach der Rückkehr erfahren, daß wir in der Bretagne waren und nicht, wie ich irrtümlich annahm, in der Toskana. Wieso aber bekomme ich heute eine Ansichtskarte von uns aus Florenz? In Jeans Weindepot alle Reste ausgetrunken, nachdenklich.

14. September: Sitze im Zug nach Wien. Henriette hat Affäre mit VHS-Kursleiter. Soll ich lieber in Wien bleiben? Habe mir elegantes Halstuch im Hemdkragen installiert. Markenwodka aus der Thermoskanne. Sehr weltmännisch, jedoch Fahrkarte verloren.

15. September: Wieder zu Hause. Anzeigen wegen Schwarzfahrens, Beleidigung und Sachbeschaedigung. Desolater Zustand. Versucht, von Streifenpolizisten erschossen zu werden. Nur Ohrfeige erhalten. Immerzu geschrien:“ Ich sterbe, ich sterbe!“ Zur naechsten Lottoannahmestelle geschleppt, Magenbitter auf Kredit.

November

19. November: Durch jenseitige Beeinflussung Schlager geschrieben: „Ball-a-Ball-a-Ball-Ball-a-Ball … (etc.), der Blumenhund anbei, so find ich euch, dem treff ich euermaßen an (quella) – Kwu Kwäck-Ball-a-Ball-a-Ball-a-Ball … (etc.) Und die Hirtenmädchen lesen: So bist du du du mit deinem Blarr Blamm Blumenhund (wiederholen)“ Mit abnehmenden Flascheninhalt kristalliert sich die Melodie heraus. Erregt, Zierleisten abgebrochen.

28. November: Religiöser Exzess, Hausrat auf die Straße gestellt. Schlaflos, brünstige Abstinenz.

29. November: Zwangsvorstellungen bezüglich Nachfolge Christi sind abgeklungen. Viehisch besoffen.

Dezember

1. Dezember: Unbekannte Frau in der Fußgängerzone verbot mir, in ihren Armen zu sterben. Wenig schöne Szene. Danach Glühwein und rücksichtslose Kirchenkritik auf dem Weihnachtsmarkt. Schürfwunden.

3. Dezember: Im Keller sitzen seit ein paar Tagen zwei alte Männer unter einer Abdeckplane und essen schreckliche Butterbrote. Zwischendurch gehen sie hinaus (in Unterhemden) und schlagen mit grossen Hämmern auf die Treppe. Betroffenheit meinerseits, nicht länger vor marokkanischem Wein zurückgeschreckt. Wadenkrampf.

28. Dezember: Alkohol wirkt nicht mehr bei mir. Vor einer Stunde Gift genommen. Enttäuschung: es wirkt auch nicht, Scheisse !!

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One comment

  1. WASHINGTON – Two guns inured to in high-profile shootings this year at the Pentagon and a Las Vegas courthouse both came from the constant unimaginable burden: the the long arm of the law and court procedure of Memphis, Tenn.

    Law enforcement officials told The Associated Thrust that both guns were once seized in bad guy cases in Memphis. The officials described how the weapons made their withdrawn ways from an proof vault to gun dealers and to the shooters.

    The misuse of guns that were once in police keeping to attack administer officers highlights a little-known disconnect in gun regulation in the U.S.: Many cities and states eradicate guns gathered in wrong probes, but others hawk or job the weapons in command to get other guns or take patrol equipment.

    In the poop indeed, on the date of the Pentagon shooting, March 4, the Tennessee governor signed legislation revising state law on confiscated guns. Ahead, law enforcement agencies in the grandeur had the opportunity of destroying a gun. Included the strange version, agencies can only cancel out a gun if it’s inoperable or unsafe.

    Kentucky has a equivalent law, but it’s not vivid how diverse other states from laws specifically designed to inspirit the police sales marathon or career of confiscated weapons.

    A nationwide review article past The Associated Squeeze in December set up that through the previous two years, 24 states — mostly in the South and West, where gun-rights advocates are markedly beefy — take passed 47 advanced laws loosening gun restrictions. Gun rights groups are making a greater application to pass favorable legislation in affirm capitals.

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