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Abschwung steht an & in Bayern ist alles besser

Juli 28, 2008

Gestern schon aufgeregt, heute mal etwas ausführlicher der Thematik gewidmet:

Es ist wieder einmal soweit. Die Politiker merken aus heiterem Himmel, dass es dort wo es Berg auf mit der Konjunktur geht, irgendwann auch ein Berg ab geben muss… Das haben Adenauer, Brandt, Schmidt, Kohl, Schröder alle mehrfach spüren müssen. Trotz Allem ist man jetzt wieder überrascht und korrigiert all den Optimismus der letzten Wochen und Monate.

Mein Freund Hans-Werner Sinn, der Ifo-Präsident, der den Wirtschaftsbossen wohl bis zu den Knien im Arsch steckt, bremste letzte Woche die Erwartungen.

Infineon streicht 3.000 Arbeitsplätze, Siemens beabsichtigt 17.000 Arbeitsplätze zu streichen, Daimler will weniger Autos bauen und die Telekom wird bestimmt auch – wie jedes Jahr – wieder 10.000 Stellen abbauen.

Vollbeschäftigung sei in einigen Jahren möglich, sagte unsere Kanzlerin – und fuhr in den Urlaub. Ein Satz wie „Es wird in den nächsten Wochen Regen geben“ oder „Nichts wird je wieder so sein wie es einmal war“ Ein Satz, den man sich hätte sparen können.

Wie gestern schon berichtet, hab ich dann Anne Will geguckt. Thema des Tages: „Kein Geld für Drückeberger – ist jeder Job besser als keiner?“ – Antworten fand man eigentlich keine – zumindest keine sinnvollen. Der 18,7%-Arbeitslosen-Bürgermeister von Berlin-Neukölln phraste mit „Man muss Junge Leute führen“. Rezept hat aber auch der SPD-Mann keines – wie so oft….

Dass man in Bildung investieren müsse, das bestreitet mittlerweile niemand mehr in der Politik, das wissen wir seit PISA.

Sehr still und bescheiden trug Edith Franke (Gründerin der „Dresdner Tafel“) vor, dass sich seit einiger Zeit nicht mehr nur die allseits bekannte Kundschaft von ihr speisen lässt. „Viele sind ohne Schuld arbeitslos geworden„, sagt die Frau aus Sachsen. Keine Drückeberger! Keine Menschen, die das Empfangen von Hartz IV mit den Genen an weitere Generationen vererben. Es kommen junge Familien, denen das Haushaltsgeld nicht reicht. Studenten. Behinderte.

Klar kann man einen Hass auf jene bekommen, die die Gesellschaft mitschleifen muss. Jahrelang – ohne Aussicht auf Besserung. Die, die nicht Zweige sammeln und Lampen putzen und Müll auflesen wollen für einen Euro die Stunde… Aber die Welt ist leider komplizierter. Längst hat die Armut neue Schichten erfasst. Auch Lehrer, Facharbeiter, Einzelhändler und Bankkaufleute sind neuerdings ins Trudeln geraten.

Lieber nehmen sie Gehaltskürzungen hin, als ihren Job zu verlieren. Die Leih- & Zeitarbeit ist eine der (wenn nicht sogar DIE) boomende Branche Deutschlands. Für den Arbeitnehmer ist die Rechnung ganz einfach: Gleiche Leistung wie der Festangestellte – bei der Hälfte des Geldes. Menschen, die jenseits der 50 noch eine Stelle finden, sind ein seltenes Exemplar in dieser deutschen Arbeitswelt.

Günter Wallraff, hat dem CSU-Mann Söder einen super Vorschlag gemacht. Der Bayer, der als Staatsminister für Bundes- und Europaangelegenheiten zwischen München und Brüssel pendelt, solle sich doch einmal als Türke verkleiden, um die deutsche Arbeitswelt von ganz unten kennen zu lernen.

Söder als Türke Ali, wie Wallraff einst? Natürlich lehnte er empört ab. Und verwies lieber penetrant und unverbesserlich darauf, dass in Bayern alles besser ist als anderswo. Jaja…

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